Das Märchen vom sozialen Kapitalisten

Heute, am 30.April,  feiert die Wirtschaftskammer den „Tag der Arbeitgeber“ und versucht so die Tradition des  1.Mai für ihre Zwecke zu nutzen. Mit der alten bekannten Propaganda versuchen sie uns einzutrichtern, dass es dem Unternehmer auch gut gehen muss, damit es dem Arbeiter gut gehen kann.

Diese plumpe Werbekampagne wird von vielen durchschaut, doch es gibt viele die dann sagen, es gäbe natürlich viele unsoziale Unternehmer, doch es gäbe immer mehr soziale Unternehmer die auf das Wohl ihrer Arbeiter schauen und auch die Welt zu einem besseren Platz machen wollen.

Schauen wir uns einmal die beiden bekanntesten „Sozialen“ Unternehmer an und wie sozial sie wirklich sind.

Bill Gates ist einer der ersten Superreichen die wussten wie sie sich sozial verkaufen konnten. Schon 1994 gründete er die „Bill & Melinda Gates Foundation“, mit über 30 Milliarden Dollar aus seinem eigenen Vermögen. Die Stiftung selbst will sich einsetzten für den globalen Aufbau lokaler Landwirtschaft, Bildung sowie Förderung internationaler Gesundheitsprogramme. Wenn man allerdings sich die Projekte genauer ansieht merkt man schnell, dass nicht die Hilfe armer Länder im Vordergrund steht sondern im Gegenteil deren effektivere Ausbeutung. Bei einem längeren  „Hilfsprojekt“ im Kongo wurden etwa Kleinbauern die ihr eigenes Saatgut zugunsten von Monsanto-Samen aufgaben gefördert, andere Bauern waren bald pleite. Nach dem Ende der Förderungen waren auch die mittlerweile mit Genmanipulierten Samen ausgestatteten Bauern nicht mehr in der Lage, sich das teure Saatgut zu leisten und mussten ihr Land verkaufen. Oft an Scheinfirmen die im Eigentum von Firmen im Schatten der Gates Foundation waren. Auch bei medizinischer Hilfe sieht es meistens nicht besser aus; Medikamente werden von der Gates Foundation nahestehenden Firmen zu erhöhten Wucherpreisen verkauft und da auch oft regionale Hersteller von Medikamenten unter Druck gesetzt oder aufgekauft werden bleibt Regierungen oder NGOs meist nichts anderes übrig, als die erhöhten Preise zu zahlen.

Die Gates Foundation ist wegen ihrer „Gemeinnützigkeit“ steuerlich begünstigt. Sie hält auch Aktien von vielen Großkonzernen: darunter Coca-Cola, welches mittlerweile den meisten Gewinn an den Verkauf von Trinkwasser in Dritte Welt Ländern verdient; der Rohstoffgigant Glencore, der dafür bekannt ist in Afrika viele hohe Politiker zu bestechen und für viele Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht wird; die Rio Tinto Group, der weltweit wichtigste Händler für Aluminium, der gerne in Bürgerkriegsgebieten beide Seiten bewaffnet um in Ruhe seine Mienen zu betreiben; Dow Chemical, einer der größten Chemiekonzerne der Welt und auch der Saatgutriese Monsanto, der für die US-Armee in den 60ern Entlaubungsmittel (Agent Orange) produzierte, woran vietnamesische Kinder heute noch erkranken!

Es besteht auch der Verdacht, dass Bestechungsgelder zur World Health Organisation fließen, um die Weltgesundheitspolitik in eine für die Stiftung profitable Richtung zu lenken.

Die Bill & Melinda Gates Stiftung betreibt im Namen der Hilfe brutalen Neokolonialismus, der viele Schwellenländer noch stärker in die Abhängigkeit internationaler Großkonzerne treibt.

 

Elon Musk gilt bei vielen mittlerweile als Erlöser für die Menschheit. So, als gäbe es kein Problem das dieser Pionier in den Bereichen Elektromobilität und Raumfahrt nicht lösen könnte. Vor allem sein Engagement bei dem privaten Weltraumunternehmen  SpaceX löste weltweite Begeisterung aus, vor allem da die bisher führende staatliche Weltraumorganisation der USA, die NASA, seit Jahren keine Erfolge mehr aufzuweisen hat. Was man dabei nicht vergessen darf: Die NASA bekommt seit Jahren weniger Geld, deswegen musste sie auch die bemannte Raumfahrt zur Internationalen Raumstation ISS aufgeben. SpaceX hat umfassend von staatlicher Grundlagenforschung profitiert und viele Mitarbeiter wurden bei der NASA ausgebildet. Auch die Entwicklung der Triebwerke war kein Neustart: am Anfang verwendete SpaceX sogar billig eingekaufte Trägerraketen für Atomsprengköpfe aus ausgemusterten sowjetischen Beständen. Zuletzt kommt noch hinzu, dass SpaceX bisher über 5 Milliarden US-Dollar  an staatlichen Förderungen erhalten hat; hauptsächlich durch Steuererleichterungen.

Musks bekanntestes Projekt, der Elektrowagenhersteller Tesla, war lange Zeit ohne ernsthafte Kritik. Doch in letzter Zeit wird der Öffentlichkeit bewusst, dass Elektroautos gar nicht die Welt retten, da der Strom meistens immer noch umweltschädlich produziert wird und sich (dank Donald Trump & Co) daran so schnell nichts ändern wird. Auf einer Diskussion darauf angesprochen und dass es doch viel umweltfreundlicher sei öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen antwortete Musk, dass öffentliche Transportmittel „absolut schrecklich“ seien, da man mit Fremden zusammen reisen müss und man doch nicht weiß, ob der Fremde neben dir ein Messerstecher wäre.

Musk wirbt oft damit, dass in seinen Fabriken bald alles vollautomatisch ablaufen werden. Daher ist er natürlich auch ein Befürworter des Bedingungslosen Grundeinkommens. Doch die Gegenwart sieht anders aus, denn auch bei Tesla und seinen Zulieferern arbeiten zum größten Teil immer noch Menschen. 

Seit Eröffnung des Werkes in Kalifornien 2014 musste bis jetzt über 100-mal der Notarzt gerufen werden, da Arbeiter am Produktionsband wegen Überarbeitung oder Stress umgekippt sind. Auch die Arbeitssicherheitsbehörde ist wegen ständigen Unfällen und Verstößen Dauergast im Silicone Valley.

Die eigentlich eher zahme Amerikanische Gewerkschaft der Automobilarbeiter (UAW), die sogar Präsident Trump eine Chance geben will, befindet sich ständig im Streit mit der Unternehmensführung um Musk. So waren 12-Stunden-Schichten an 6 Tagen der Woche die Normalität bis 400 Arbeiter eine Petition unterzeichneten und an die Medien schickten. Erst daraufhin war Musk bereit den 8 Stunden –Tag einzuführen, doch Überstunden bleiben natürlich die Realität.

Ein Arbeiter bei den US-Autoriesen General Motors oder Ford verdient im Schnitt 26 Dollar die Stunde, bei Tesla sind es nur 15 Dollar. Dazu kommt, dass die Mieten im Silicone Valley mit so einem Lohn unbezahlbar sind. Viele Arbeiter pendeln also täglich bis zu 4 Stunden und wenn Überstunden anfallen, übernachten sie eben in ihrem Auto um nicht gekündigt zu werden.

Anfang letzten Jahres kündigte Tesla über 100 Mitglieder der Gewerkschaft, da Gewerkschaften „rückwärtsgewandt“ seien und in der heutigen Wirtschaft keinen Platz hätten.

Ebenfalls 2017 kaufte Tesla den deutschen Zulieferer Grohmann. Das erste was folgte war eine Lohnsenkung und der Versuch den lange etablierten Betriebsrat zu entmachten.  Weiters weigert sich Musk den ausgehandelten Tarifvertrag zu zahlen. Die IG Metall und der Betriebsrat drohen mittlerweile mit Streik. Elon Musk, der von seinen engeren Mitarbeitern verlangt unter dem Schreibtisch einen Schlafsack zu bewahren, falls ein Projekt „mehr Zuwendung“ erfordere, dürfte das wenig freuen.